HAUS PARLOW –
WOHNHAUS AUS BRETTSPERRHOLZ

ORT
Parlow / Glambeck

AUFTRAGGEBER
privat

FLÄCHE
BGF 166 qm

BEAUFTRAGUNG

Hochbau LP 1 - 9

BEARBEITUNGSZEIT

Fertigstellung 2021

PROJEKTPARTNER

Niehues Winkler Ingenieure (Tragwerksplanung)


Fotos © ANNABAU
Zeichnungen © ANNABAU

Gegenüber der Dorfkirche im Ortskern, liegt auf einem rechteckigen Grundstück das Haus Parlow. Das längliche Anwesen fällt nach Osten hin ab und erlaubt Dank der Lage einen Blick über die Dächer hinweg in die Landschaft.

Der Baukörper ist nur 5 m breit und 15 m lang. Durch den geringen „Footprint“ des Hauses bleibt viel Freiraum/Garten erhalten. Der Winkel des Pultdaches ist parallel zum Verlauf der Topographie gewählt. Auch im Inneren wirkt die Landschaft konstituierend. Das Erdgeschoss gliedert sich kaskadenförmig über vier Plateaus. Darüber sind auf unterschiedlichen Höhen Plattformen aus reinem Brettsperrholz angeordnet, welche durch Treppen variierender Steigungszahl miteinander verbunden sind. Neben den dienenden Funktionen, wie Küchenzeile, Bad und WC, gibt es eine große Anzahl flexibler Flächen, welche keiner eindeutigen Nutzung zugeordnet werden müssen. Die innere Erschließung erfährt durch die vielen Versprünge und offenen Sichtbeziehungen ein performatives Moment.

Die vier Plateaus des Erdgeschosses gründen auf Stahlbetonfundamenten und erhielten Sichtestrichböden. Alle aufgehenden Bauteile sind konsequent aus Brettsperrholzplatten unterschiedlicher Stärken gefertigt, welche im Innenraum sichtbar bleiben. Die Brettsperrholzelemente der Außenwände sind gebäudehoch und die Decken sind zwischen die Wände eingehängt worden. So wurde die Anzahl der Bauteile erheblich reduziert. Die Außenwände sind von außen mit Zellulosefasern gedämmt und mit sägerauhen Fichtenholzbohlen verkleidet. Diese tragen durch den Anstrich mit roter Schlammfarbe zum besonderen Charakter des Hauses bei. Das Dach ist ein Gründach mit einer Retentionsebene, in der Regewasser gespeichert und über einen langen Zeitraum an die Pflanzen abgegeben wird. In seiner Nachhaltigkeit zeichnet sich das Projekt sowohl durch die gewählten Holzbaustoffe, das Gründach mit Retentionsvolumen, als auch durch sein Energiekonzept aus. Die Wärmeversorgung wird über eine Luftwärmepumpe gesichert und durch einen Kaminofen ergänzt. Nur die Fußböden im Erdgeschoss sind mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Über die Zwischenräume kann warme Luft durch das Gebäude strömen, was den Energieverbrauch mindert. Massive Bauteile (Estrichböden) speichern Wärme und geben diese verzögert ab. Das Dach ist zur Montage von PV-Modulen vorbereitet. Das Gründach schützt vor einer starken Erwärmung im Sommer.

Durch die großen, teils festverglasten Wandöffnungen fließen vor allem an den Stirnseiten Außen- und Innenraum ineinander. Durch ein Vordach geschützt, befindet sich auf der Südseite eine Terrasse, welche den Kaskaden des Innenraums folgt. An den Pflanzensträngen entlang der Südseite ranken winterharte Kiwipflanzen, die die Terrasse einfassen und in den Sommermonaten als Schattenspender dienen. Die Materialien des Hauses sind robust und altern würdig. Durch die Oberflächenqualität der Rohbaumaterialien wird auf einen Ausbau bewusst verzichtet.